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Von regionalen Kirchweihen bis hin zum ohrenbetäubenden Klausentreiben im Allgäu, womit einst böse Geister vetriebenen werden sollten – kaum eine Region ist so bekannt für ihre auf Brauchtümern und Traditionen beruhenden Veranstaltungen wie Bayern. Nahezu alle dieser Traditionen wiederum sind eng mit Musik und Klängen verbunden, die ihre Wurzeln dabei oft in historischen Begebenheiten haben. So war beispielsweise der Schäfflertanz ursprünglich ein Zunfttanz der Fassmacher, das Jodeln ehemals ein Hirtenruf in den Alpen und der berühmte Schuhplattler vermutlich ursprünglich ein mittelalterlicher Werbetanz. Bayerns historisch tradierte musikalische Veranstaltungen gehen jedoch weit über den Volksmusikbereich hinaus und reichen vom Nürnberger Chorfest über den Kissinger Sommer klassischer Musik bis hin zu vielfältigen Rock- und Popfestivals. Darüber hinaus spielten im Laufe der Geschichte Musik und Musiker aber auch für eine ganze Reihe wichtiger politischgesellschaftlicher Ereignisse eine Rolle, etwa indem diese ihren Widerhall in entsprechendem Liedgut fanden. Zudem wurde Musik in Bayern zu zahlreichen Gelegenheiten zu Propagandazwecken eingesetzt bzw. missbraucht, diente andererseits aber auch der Untermauerung diverser Protest- und Widerstandsbewegungen. Die sogenannten „Schwabinger Krawalle“ etwa, eine der größten Protestaktionen der Münchner Nachkriegsgeschichte, hatten ihren Ausgangspunkt im abendlichen Gitarrenspiel fünf junger Leute.

Viele bayerische Volksfeste sind untrennbar mit der dazugehörigen Volksmusik verbunden. Dies gilt insbesondere für die vielen Kirchweihfeste – in Franken „Kärwa“ genannt. Blasmusik, Umzüge und regional unterschiedliche Kärwatänze prägen dabei diese Feierlichkeiten. So ist es beispielsweise in Dittenheim Tradition, dass am Kärwastag die Mädchen von den Burschen – begleitet von der örtlichen Blaskapelle – zum Tanz um den sogenannten „Huhnerbaum“, einer Art Maibaum, abgeholt werden. Dabei wird während des Tanzens ein Wecker herumgereicht. Wer diesen dann beim Klingeln in den Händen hält, muss Essen und Getränke spendieren. Andernorts ist dieser Tanz als Hahnentanz bekannt und das Gewinnerpaar erhält einen lebendigen Hahn als Preis. Die Ursprünge dieses Brauches reichen weit zurück und waren oft mit Fruchtbarkeitsbräuchen verbunden.

Das Wolfsauslassen ist ein Brauch im Bayerischen Wald, der auf die Zeit zurückgeht, als Viehhirten auf den Bergweiden die ihnen anvertrauten Tiere noch vor Bären und Wölfen schützen mussten
und den Kühen zu diesem
Zweck laute Glocken umbanden. In manchen Orten im Bayerischen Wald ziehen daher noch heute kurz vorm Martinstag am 11. November sogenannte „Wölfe“, wie man die Gruppen von Wolfsauslassern
nennt, mit großen, teilweise bis zu 35 Kilogramm schweren Glocken behängt durch den Ort. Angeführt wird jede Gruppe von einem „Hirten“, der mit seinem Hirtenstab den Takt vorgibt, nach dem die
Wolfsauslasser ihre Glocken läuten. Unter infernalischem Lärm ziehen die Horden dann von Tür zu Tür, wo jeweils ein bestimmter Hirtenspruch aufgesagt und Geldspenden für Speis und Trank
eingesammelt werden. Weltrekordhalter im Wolfsauslassen ist seit dem Jahr 2009 die Gemeinde Rinchnach, die zu diesem Anlass ganze 1370 Wolfauslasser mit 1000 Glocken aufbieten konnte.

Im Rahmen der frühen deutschen Nationalbewegung fanden seit den 1830er Jahren im gesamten deutschen Raum Volks- und Sängerfeste mit politischem Hintergrund statt. Solche Feste dienten angesichts der ansonsten oftmals verbotenen politischen Veranstaltungen als Schlupfloch für politische Betätigung. Vor diesem Hintergrund ist auch das Nürnberger Sängerfest des Jahres 1861 zu sehen, das zudem als Markstein der Geschichte des heutigen Chorsingens gilt. Mit mehr als 5000 Sängern aus 197 Städten und 60000 Gästen war es das bis dahin größte Sängerfest. Noch heute wird daran durch das „Nürnberger Chorfest“ mit teilnehmenden Chören aus ganz Deutschland erinnert.

Musik diente schon seit jeher dazu, gesellschaftlich und politisch Protest zu äußern. So grenzte sich etwa die Swing Jugend in den 30er- und 40er-Jahren durch ihre Musik scharf vom Nationalsozialismus ab oder die Rosenheimer Punkrockszene demonstrierte so gegen das Bürgertum.
In die Reihe musikalischer Protestaktionen fallen auch die sogenannten „Anti-Waahnsinnsfestivals“, wobei es sich um eine Serie großer Rockkonzerte in den 80er Jahren in Burglengenfeld handelte. Das größte fand 1986 statt und machte mit seinen über 100.000 Besuchern als „bayerisches Woodstock“ Geschichte. Diese Festivals waren zentraler Bestandteil der Anti-Atomkraftbewegung und ihrer Proteste gegen den geplanten, letztlich aber nicht umgesetzen Bau einer Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf.
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