Wettbewerb | Grußwort

Liebe Schülerinnen und Schüler,

2018 feiern wir in Bayern ein ganz besonderes Jubiläumsjahr: 100 Jahre Freistaat und 200 Jahre Verfassungsstaat Bayern. Mit der für ihre Zeit fortschrittlichen Verfassung von 1818, die bis 1918 in Kraft blieb, wurde Bayern eine konstitutionelle Monarchie. In der Gesetzgebung beispielsweise war fortan die Zustimmung des gewählten Parlaments notwendig.

 

Nach der Proklamation des Freistaats Bayern durch Kurt Eisner im November 1918 fanden Anfang 1919 die ersten Landtagswahlen unter republikanisch­demokratischen Voraussetzungen statt und erstmals durften dabei in Bayern auch Frauen wählen. Die dann vom neuen Parlament verabschiedete Verfassung, die sogenannte Bamberger Verfassung, trat im September 1919 in Kraft.

 

Unzählige Bürgerinnen und Bürger haben sich seitdem in den verschiedensten Bereichen für Mitsprache und eine lebendige Demokratie eingesetzt und Bayern in diesem Sinne erfolgreich mitgestaltet. Zugleich aber ist Demokratie keine Selbstverständlichkeit! Dies zeigen gerade das Scheitern der Weimarer Republik und die Zeit des menschenverachtenden Nationalsozialismus, die geprägt war von für uns heute unvorstellbaren Zivilisationsbrüchen wie der systematischen Ermordung der europäischen Juden.

 

Für die bayerische Geschichte bleibt das sogenannte Dritte Reich eine dauernde Mahnung zu historischer Aufklärung, Wachsamkeit, Achtung der Menschwürde, Toleranz und Wahrung von Rechtsstaatlichkeit. Es ist deshalb unsere Pflicht als Bürgerinnen und Bürger, uns für die Demokratie einzusetzen und uns aktiv in die Gesellschaft einzubringen. Unser Alltag ist voller Erinnerungszeichen an demokratische Vorbilder und spannende Geschichten rund um das Mitbestimmen, Mitentscheiden und Mitgestalten – dem Thema der aktuellen Wettbewerbsrunde.

 

Wir laden deshalb die bayerischen Schülerinnen und Schüler aller Schularten ab Jahrgangsstufe 3 ein, am diesjährigen Wettbewerb „Erinnerungszeichen“ teilzunehmen. W-­ und P­-Seminare an den Gymnasien, die Projektpräsentation in den 9. Klassen der Realschule oder der HSU-­Unterricht der Grundschule bieten für die Teilnahme dabei einen besonders geeigneten Rahmen.

Herzlich danken wir bereits heute allen Lehrerinnen und Lehrern, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer engagiert begleiten und unterstützen.

 

Die Beschäftigung gerade mit der bayerischen Landesgeschichte ist von zentraler Bedeutung für ein tiefgehendes Verständnis unserer Gegenwart und für die verantwortungsbewusste Gestaltung unserer Zukunft. Daher haben wir im Jubiläumsjahr 2018 besonders gerne die Schirmherrschaft über den Schülerlandeswettbewerb „Erinnerungszeichen“ übernommen.

 

Liebe Schülerinnen und Schüler, wir wünschen euch und euren Lehrkräften viel Erfolg und Freude beim Aufspüren der Erinnerungszeichen an eurem Heimatort. 

 

München, im Januar 2018


Dr. Ludwig Spaenle
Bayerischer Staatsminister für Bildung und Kultus, Wissenschaft

und Kunst

Barbara Stamm
Präsidentin des Bayerischen Landtags


Bildnachweis: Bayerische Staatsbibliothek
Bildnachweis: Bayerische Staatsbibliothek

Mehrere zehntausend Menschen beteiligten sich am 7. November 1918 an einer Friedensdemonstration auf der Münchener Theresienwiese. Die Protestierenden forderten u.a. eine sofortige Beendigung des Ersten Weltkriegs sowie umgehende politische Reformen in Bayern und Deutschland wie z.B. die Abschaffung der Monarchie. Die Theresienwiese ist nur einer der vielen Orte in Bayern, an denen in den letzten hundert Jahren (Demokratie-) Geschichte geschrieben wurde. Recherchiert zu weiteren historischen Plätzen und Begebenheiten!