Wettbewerb | Orte

Vom Kloster Benediktbeuren, dem Entstehungsort der weltberühmten mittelalterlichen Carmina-Burana-Liedersammlung, über das Bayreuther Festspielhaus und die Münchner Staatsoper bis hin zum Blow Up, der umstrittenen ersten deutschen Großraumdisko in München, oder dem Gasthof zur Post im kleinen Ort Ampermoching bei Dachau, der in den 80er-Jahren zum Hot Spot der Punkmusik in ganz Deutschland wurde – Bayerns musikgeschichtlich relevante Orte sind so vielfältig wie Bayerns Töne selbst. So sind viele Gegenden Bayerns untrennbar mit Musik verbunden – nicht nur als Veranstaltungsstätten wichtiger musikalischer Events, sondern auch durch den Instrumentenbau, der in Bayern eine weit zurückreichende Tradition hat und internationale Bedeutung erlangen konnte. Orte wie Mittenwald und Bubenreuth, die für ihren Geigenbau bekannt sind, oder auch der Orgelbau in Passau zeugen davon. Darüber hinaus haben zahlreiche Sing- und Musikschulen sowie Orte berühmter Orchestergründungen die musikalische Landschaft Bayerns vom Spätmittelalter bis heute nachhaltig geprägt. Ohne sie wären weltberühmte Chöre und Orchester wie die Regensburger Domspatzen oder die Bamberger Symphoniker nicht denkbar. Welche Orte prägten und prägen Eure Heimat musikalisch? Macht Euch auf Spurensuche!

Bildnachweis: Instrumentenbau Bubenreuth/Bubenreutheum e.V.
Bildnachweis: Instrumentenbau Bubenreuth/Bubenreutheum e.V.

Die Geschichte des Musikinstrumentenbaus in Europa ist ohne den kleinen mittelfränkischen Ort Bubenreuth kaum denkbar. Angefangen hat alles im Jahr 1949, als das kleine Dorf mit kaum mehr als 500 Einwohnern mehrere tausend neue Mitbürgerinnen und Mitbürger erhielt. Dabei handelte es sich um aus dem sudetendeutschen Schönbach vertriebene Geigen- und Gitarrenbauer mit ihren Familien. Für diese renommierten Handwerker entstand in kürzester
Zeit mit der sogenannten „Geigenbauersiedlung“ ein eigener Ortsteil. Dieses in der deutschen Geschichte einmalige Integrationsprojekt sollte Bubenreuth bald zum neuen Zentrum des Saiteninstrumentenbaus in Europa machen mit namhaften Kunden wie Peter Kraus, Elvis Presley und den Beatles.

Bildnachweis: Reichsparteitag Nürnberg/Sign.Nr. A43-P-12-01/Stadtarchiv Nürnberg
Bildnachweis: Reichsparteitag Nürnberg/Sign.Nr. A43-P-12-01/Stadtarchiv Nürnberg

Manche bayerische Orte wie das Zeppelinfeld in Nürnberg besitzen eine sehr wechselhafte musikalische Geschichte. Diente dieses während der Zeit des Nationalsozialismus noch als Ort der Reichsparteitage mit propagandistisch inszenierten Gesängen, Orgelmusik und Volkstänzen, sollte das Gelände in der Nachkriegszeit bewusst umgedeutet werden. Ende der 70er-Jahre fanden mehrere spektakuläre Rockfestivals mit Stars wie Udo Lindenberg, Carlos Santana und Bob Dylan statt, die Nürnberg zur „Rockstadt“ machten und Spaß und Party auf ein Gelände bringen sollten, wo einst menschenverachtende Ideologie und Größenwahn gepredigt wurden.

Seit 1997 beheimatet das Zeppelinfeld das legendäre Festival „Rock im Park“, das mit rund 60000 bis 70000 Besuchern als eines der größten Festivals in Deutschland und Europa gilt.

Bildnachweis: Rock im Park 2025/Tim Naeve
Bildnachweis: Rock im Park 2025/Tim Naeve
Bildnachweis: Orgeln des Passauer Domes/Hajotthu/eigenes Werk/wikimedia.org
Bildnachweis: Orgeln des Passauer Domes/Hajotthu/eigenes Werk/wikimedia.org

Kirchen und vor allem Klöster in Bayern waren über Jahrhunderte hinweg zentrale Orte der Musikentwicklung – von gregorianischen Gesängen bis hin zu komplexen mehrstimmigen Werken. Eine wichtige Rolle in diesem Bereich der geistlichen Musik spielte der Einsatz der Orgel. Ihr Wandel vom weltlichen Instrument der Antike hin zu dem kirchlichen Instrument schlechthin ereignete sich nördlich der Alpen. So entstand beispielsweise das erste Lehrbuch des Orgelbaus im bayerischen Kloster Tegernsee. Auch heute noch schmücken prächtige Orgeln viele Kirchenbauten und bereichern diese mit ihren Klängen. Einen Weltrekord stellt dabei die ursprünglich 1928 erbaute und später erweiterte Orgel im Passauer Dom St. Stephan auf. Sie gilt mit ihren mittlerweile 17974 Pfeifen als größte Orgelanlage Europas sowie fünftgrößte der Welt.

Bildnachweis: Richard-Wagner-Festspielhaus/Markus Gögelein/eigenes Werk/wikimedia.org
Bildnachweis: Richard-Wagner-Festspielhaus/Markus Gögelein/eigenes Werk/wikimedia.org

Das Richard-Wagner-Festspielhaus in Bayreuth gilt mit seiner außerordentlichen Akustik heute als eines der berühmtesten Opernhäuser weltweit. Auslöser für diesen Bau war Richard Wagners Idee eines Bühnenspielhauses, das unter anderem für die Aufführung seines Opernzyklus „Der Ring des Nibelungen“ dienen sollte. Nachdem zunächst auch andere Standorte in Erwägung gezogen wurden, fand Wagner großen Gefallen an Lage und Größe der Stadt Bayreuth.
Diese kaufte daraufhin ohne sein Wissen einen Baugrund auf dem sogenannten „Grünen Hügel“ und stellte ihn Wagner kostenlos zur Verfügung. So konnte das Festspielhaus im Stil der hellenistischen Romantik vom Architekten Otto Brückwald errichtet und 1876 eröffnet werden. Die zunächst unregelmäßig stattfindenden Festspiele wurden im Jahr 1882 sogar von König Ludwig II. besucht. Nach einer wechselvollen und zu Zeiten des Nationalsozialismus unrühmlichen Geschichte, die auch zu seiner Beschlagnahmung durch amerikanische Truppen im April 1945 geführt hatte, wurde das Festspielhaus 1949 an die Familie Wagner zurückgegeben. Seit 1951 dient es wieder als Festspielort und wird hierfür ausschließlich einmal jährlich im Sommer genutzt.

Bildnachweis: Minnesängerdenkmal Riedenburg/Stadt Riedenburg
Bildnachweis: Minnesängerdenkmal Riedenburg/Stadt Riedenburg

Der sogenannte Minnesang, eine deutschsprachige mittelalterliche höfische Liebeslyrik, bildete von der Mitte des 12. bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts eine prägende musikalische Erscheinungsform in Deutschland und Bayern. Der Riedenburger Graf Heinrich III. sowie einer seiner Söhne zählten dabei zu den ersten namentlich bekannten Minnesängern Bayerns. Ihnen zu Ehren hat die Stadt Riedenburg ein lebensgroßes Bronzedenkmal errichtet. Gibt es auch in Eurer Heimat Denkmäler, die an bedeutende Musiker oder musikalische Ereignisse erinnern?

Projektideen

  • Gibt es in Eurer Gegend bedeutende Konzert-, Opern- oder Festspielhäuser? Macht Euch auf Spurensuche und recherchiert deren Geschichte.
  • Sucht nach „Erinnerungsorten“ Eurer Heimat, die auf das Wirken berühmter Musiker oder Komponisten hinweisen.
  • Recherchiert zu Kirchen und Klöstern Eurer Gegend. Welche Rolle spielten die Musik und musikalische Entwicklungen in ihnen im Laufe der Jahrhunderte?
  • Erforscht, ob auch in Eurer Region bekannte Instrumentenbauer ansässig waren oder sind. Vergleicht deren Arbeitsweise früher und heute.
  • Manche Orte sind untrennbar mit bestimmten musikalischen Entwicklungen verbunden, wie z. B. Rosenheim, das als Keimzelle des bayerischen Punk-Rocks gilt. Recherchiert, ob auch Euer Ort eine wichtige musikalische Bedeutung hat.
  • Forscht zu Musikschulen in Eurer Gegend. Untersucht, ob an diesen „Lernorten“ im Laufe der Zeit ein Wandel stattgefunden hat.